Polimentvergoldung

Die Polimentvergoldung ist eine der ältesten Vergoldetechniken. Bereits im antiken Ägypten wurden Polimentvergoldungen ausgeführt. Seinerzeit konnte das Blattgold noch nicht so dünn geschlagen werden wie heute und statt mit dem Polierachat wurden Raubtierzähne verwendet. Dessen zum Trotz ist der Aufbau der antiken Vergoldung einer heutigen Polimentvergoldung erstaunlich ähnlich. Die Polimentvergoldung ist heutzutage ein Inbegriff traditionellen Handwerks. Aus diesem Grund halten moderne Materialien fast keinen Einzug in die Technik und die heutige klassische Polimentvergoldung entspricht in Arbeitsweise und den verwendeten Materialien fast komplett der Ausführung im Mittelalter. Ein Grund dafür ist auch, dass Polimentvergoldungen zum größten Teil in dem Bereich der Restauration eingesetzt werden. Das liegt sicher auch an dem enormen Aufwand, den ein Aufbau einer neuen Polimentvergoldung mit sich bringt. Im Folgenden wird der Aufbau einer klassischen Polimentvergoldung erklärt.

Der Aufbau einer Polimentvergoldung

Die Leimtränke

Die Leimtränke ist die erste Schicht beim Aufbau einer Polimentvergoldung und dient als Grundierung um eine Saugfähigkeit zu senken und somit ein Ausmagern der nachfolgenden Schichten zu verhindern. Für die Leimtränke verwende ich folgendes Rezept:

Wasser 750 ml
Knochenleim 100 g

 

Der Knochenleim wird dazu in das kalte Wasser gegeben und muss ca. 12 Stunden quellen. Danach wird das Ganze erhitzt, aber keinesfalls zum Kochen gebracht. Am Besten verwendet man dazu ein heißes Wasserbad. Nach dem Erhitzen löst sich der Leim auf und kann (heiss) verarbeitet werden. Die Leimtränke darf auf keinen Fall eine Schicht bilden und muss dünn und zügig aufgetragen werden. Wenn sich eine kristalline Schicht bildet, ist die Leimtränke zu stark aufgetragen. Die Leimtränke muss nun trocknen. Bitte die Leimtränke nicht entsorgen! Sie wird im nächsten Arbeitsschritt weiter verwendet.

Steingrund

Der Steingrund ist die erste deckende Schicht. Hierzu wird die Leimtränke erneut erhitzt. Im klaten Zustand ist die Leimtränke gummiartig erstarrt. Beim Erwärmen wird sie wieder erneut flüssig. Nun gibt man möglichst grobe Steinkreide hinzu. Der Steingrund darf, im Gegensatz zu den nachfolgenden Schichten, langsam und mit Bedacht umgerührt werden. Dem Steingrund sollte so viel Steinkreide zugesetzt werden, dass sich eine gute, streichfähige Konsistenz ergibt. Dem Steingrund wird zuletzt noch ein Teelöffel Venezianer Terpentin untergerührt. Nun kann der Steingrund auf das Werkstück aufgetragen werden. Er darf aber auf keinen Fall einfach aufgestrichen werden, er muss mit einer Mischung aus Aufstreichen und Aufstupfen aufgetragen werden. Der Fachbefriff nennt sich "Aufschummern". Nach dem Arbeitsgang muss die entstehende Polimentvergoldung gut durchtrocknen. Es ist auch bei allen anderen Schichten sehr wichtig, den Aufbau gut trocknen zu lassen, da sonst sehr hohe Spannungen entstehen können, die die Polimentvergoldung abplatzen lassen! Hier nochmals die Zusammensetzung des Steingrundes:

Wasser 750 ml
Knochenleim 100 g
Venezianer Terpentin 1 Teelöffel
Steinkreide nach Bedarf

 

Kreidegrund

Im Folgenden müssen mehrere Schichten Kreidegrund aufgetragen werden. Je nach Art und Qualität der Polimentvergoldung liegt die Anzahl der Kreidegrundschichten zwischen mindestens 4 bis hin zu 8 Schichten. Bei auwendigen Gravierarbeiten oder Punzierungen können es auch mal 20 Schichten sein. Ganz wichtig beim Aufbau ist, dass die Schichten bei jedem Auftrag immer magerer werden. Man biginnt mit einem relativ fettem Kreidegrund und verwendet bei jedem weiteren Arbeitsschritt 5-10 g weniger Hasenleim. Das baut die enormen Materialspannungen immer weiter ab. Auch die verwendete Kreide verändert sich. Beim ersten Kreidegrund verwende ich Champagner Kreide und mische bei jedem weiteren Schritt immer mehr Bologneser Kreide zu. Mit Champagner Kreide erreicht man dünnere, wenig füllende und festere Schichten, Bologneser Kreide macht den Kreidegrund füllender, amorpher und erhöht damit auch die Polierfähigkeit der Polimentvergoldung. Besondere Beachtung verdient die Herstellung des Kreidegrundes. Statt dem Knochenleim verwendet man von nun an Hasenleim. Der Hasenleim wird genauso angesetzt, wie die Leimtränke. Der Leim muss in kaltem Wasser quellen und wird dann erwärmt. Dabei muss sich der Leim komplett auflösen. Danach muss die Kreide zugegeben werden. Ich treibe dazu die Kreide möglichst gleichmäßig durch ein Sieb, bis die Kreide die Oberfläche der Leimlösung erreicht. Der Kreidegrund darf keinenfalls gerührt werden! Dadurch können Blasen entstehen, die bei der fertigen Polimentvergoldung zu Störungen in der Oberfläche führen. Der Kreidegrund darf lediglich vorsichtig in ein anderes Gefäß hin- und hergeschüttet werden. Die Kreidegründe werden mit dem Borstenpinsel aufgestrichen. die letzten Schichten werden trocken geschliffen. Die Zusammensetzung des ersten Kreidegrundes:

Wasser 1 Liter
Hasenleim 100 g
Kreide (Champagner Kreide, Bologneser Kreide) nach Bedarf

 

Schleifen und Gravieren

Nach Fertigstellung all der Kreidegründe sind meist alle Verzierungen und Kanten recht zugestrichen und es ist an der Zeit, alle ebenen Flächen zu glätten und Verzierungen freizulegen. Zunächst wird trocken mit (feinem) Schleifpapier geschliffen, Vertiefungen werden dann mit einem Gravierhaken freigelegt. Zuletzt wird mit feinstem Schleifpapier (ca. P 400 oder feiner) nass geschliffen, aber bitte extrem vorsichtig!! Hier ist viel Geschick gefordert, denn die mühsam aufgetragenen Kreidegrundschichten dürfen auf gar keinem Fall wieder abgeschliffen werden! Nach dem Schleifen und Gravieren wird das Werkstück (ganz vorsichtig!) mit einem Lappen, oder am Besten mit einem Roßhaartuch feucht abgewischt, um die Oberfläche nochmals zu glätten und zu säubern.

Lösche

Die sogenannte Lösche ist lediglich eine Zwischengrundierung, die nur aus Hasenleim und Wasser besteht. Die Lösche dient dazu, die geschliffene, ausgemagerte Fläche wieder etwas zu festigen und dem nachfolgenden Poliment wieder einen guten Untergrund zu schaffen. Die Lösche ist sehr mager und muss dünn, ohne dass eine Schicht entsteht, aufgetragen werden. Die Lösche stellt ein gewisses Risiko beim Aufbau der Polimentvergoldung dar, da hier erneut Spannungen durch zu fetten Auftrag entstehen können, andererseits muss der Untergrund natürlich gefestigt werden. Von nun an müssen alle Schichten besonders sorgsam aufgetragen und das verwendete Material peinlichst genau hergestellt werden, da die Oberfläche weder durch Schleifen, noch durch sonstige Techniken nachbehandelt werden darf. Die Lösche wird auf die gleiche Art und Weise, aber in anderer Zusammensetzung hergestellt wie die Leimtränke. Die Lösche wird später noch zur Herstellung des Poliments benötigt. Die Lösche ist wie folgt zusammengesetzt:

Wasser 1 Liter
Hasenleim 50 g

 

Poliment

Vor der eigentlichen Vergoldung müssen jetzt noch 2-4 Schichten Poliment aufgetragen werden. Das Poliment ist der eigentliche Goldträger und muss mit viel Geduld hergestellt werden. Man verwendet Poliment, den sogenannten Bolus. Das Poliment wird in festen Klumpen geliefert und wird zuerst fein gerieben (ich verwende dazu eine Muskatnussreibe). Danach wird das Poliment mit einem Glasläufer intensiv fein gerieben. Wenn sich keine Körnchen mehr im Poliment befinden, kann die erwärmte Lösche zugegeben werden und das Poliment/Lösche-Gemisch wird mindestenss 20 Minuten intensiv mit dem Glasläufer angerieben. Dann ist das Poliment fertig und kann noch mit Lösche verdünnt werden. Das fertige Poliment darf nicht ganz deckend sein und leicht lasierend wirken, dann ist das Poliment richtig eingestellt. Bolus wird in unterschiedlichen Farben geliefert, z.B. Gelb, Rot, Schwarz, Blau oder sogar Grün. Das Poliment schimmert durch die ferige Polimentvergoldung durch, weshalb die Farbe des Poliments eine wichtige Rolle bei der Wirkung der Polimentvergoldung spielt. In historischen Polimentvergoldungen wurde fast ausschließlich rotes Poliment verwendet, oder aber gelbes Poliment mit nachfolgendem Auftrag von rotem Poliment in einigen Elementen. Um homogene Goldflächen zu erreichen wird nur mit gelbem Poliment gearbeitet. Aber gerade das schwarze Poliment hat sehr interessante Wirkungen!

Die Vergoldung

Endlich beginnt der eigentliche Akt der Vergoldung. Zunächst wird das Poliment noch mit einer Polimentbürste abgebürstet, danach wird das Blattgold angeschossen. Dazu wird eine Netze, bestehend aus destilliertem Wasser und 1/3 Alkohol (Ethanol oder Iso-Propanol) satt aufgetragen und nass vergoldet.

Polieren

Die Kür der Polimentvergoldung ist das Polieren mit dem Achat. Hierbei wird sich zeigen, ob die Polimentvergoldung in allen Schritten sorgfältig ausgeführt wurde. Der Polierstein muss dazu die Fläche gleichmäßig mit gleichem Druck polieren. Sehr oft wurden Vergoldungen gefasst, das heißt, mit einer Malerei kombiniert. Oft werden diese Fassungen mit Kaseinfarbe ausgeführt. Diese Kaseinfarbe kann genauso wie die Vergoldung poliert werden. Mit Dispersionsfarbe oder Acrylfarbe ist das Polieren nicht möglich.

Damit ist die Polimentvergoldung fertiggestellt und kann nun eventuell noch weiter bearbeitet werden. Man kann die Polimentvergoldung noch lüstern, punzieren oder patinieren.