Was sind Dispersionsfarben?

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Dispersionsfarbe?

Bei Wand- und Fassadenfarben stößt man immer wieder auf den Begriff Dispersionsfarbe oder Kunststoffdispersion. Eine Erklärung, worum es sich hierbei handelt, findet man allerdings selten. Grundsätzlich ist eine Dispersion, ähnlich wie eine Emulsion eine Mischung aus zwei Stoffen, die sich nicht vermischen lassen, zum Beispiel Wasser und Öl. Damit diese Vermischung gelingt, wird ein dritter Stoff benötigt, der Emulgator. Dieser Emulgator hat die Eigenschaft, sich mit jeder einzelnen der beiden Stoffe zu vermischen und so gelingt es, eine homogene Mischung zu erzeugen.

Der Vorgänger der heutigen Dispersionsfarben waren die Emulsionsfarben, bei denen eine Ölfarbe mit Wasser vermischt wurde und somit wesentlich leichter zu verarbeiten war. Hier wurde beispielsweise bei den bekannten Tempera-Farben anfangs Hühnereiweiß als Emulgator verwendet. Diese Temperafarben konnten mit Wasser verdünnt werden, trocknet sehr fest auf und ließen sich gut streichen. Auch der Maler als Fachmann und Profi streicht fast ausschließlich Dispersionsfarben.

Am Anfang war die Leimfarbe

In historischer Zeit wurden für Innenanstriche fast ausschließlich Leimfarben verwendet. Diese wurden in der Werkstatt am Tag vor der Verwendung hergestellt. Dazu wurde Zelluloseleim (ähnlich wie normaler Kleister, allerdings mit einer kleineren Molekularstruktur, was den Leim nicht so zäh macht) angerührt, kurz quellen gelassen und mit Kreide oder Pigmenten vermischt. Das war schon alles. Diese Leimfarben hatten jedoch einen entscheidenden Nachteil. Sie lösten sich im Wasser wieder auf und ließen sich somit abwaschen. Um dem entgegenzuwirken, wurden den Leimfarben oft Leinöl (ein trocknendes Öl, das auch für Ölfarben verwendet wird) zugegeben, was aber andere Nachteile mit sich zog und der sogenannten Reversibilität nicht wirklich entgegenwirkte. Aus diesen Erkenntnissen wurde geforscht, bis man ein neues Bindemittel entdeckte, die Dispersion. Hier wurden winzigste Kunststoffteilchen mittels eines Dispergiermittels in Wasser gelöst.

Der kalte Fluss

Wenn nun eine solche Dispersion trocknet, also das Wasser verdunstet, bleibt zum Schluss nur noch das Öl, Harz (Kunstharz) oder der Kunststoff übrig. Diese Stoffe fließen praktisch zusammen und bilden einen festen Film, der natürlich nicht mehr oder nur sehr schwierig von Wasser gelöst werden kann. Das ist der Trick der Dispersionsfarben. Man nennt diesen Trocknungsprozess »Kalter Fluss«.

Dispersionsfarben im Handel

Die Hersteller setzen sehr viel Engagement in die Erforschung von Dispersionsfarben, denn mit diesem Verfahren kann man nicht nur Wandfarben herstellen, auch alle Formen von Lackfarben lassen sich dispergieren und sind somit wasserverdünnbar, aber nicht wasserlöslich! Das Ergebnis ist bestechend. Die Lacke trocknen primär durch die Verdunstung von Wasser und nicht durch organische Lösemittel, wie Terpentin oder Nitroverdünnung. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Qualität der Lackierungen hinter den klassischen, lösemittelhaltigen Lacken liegt, aber die Unterschiede werden immer geringer und die Vorteile, insbesondere die Umweltfreundlichkeit durch den weitgehenden Verzicht auf organische Lösemittel wie Terpentin überwiegen. Im Bereich der Wandfarben haben sich Kunststoffdispersionsfarben komplett durchgesetzt und teilen sich den Markt mit einigen Naturfarben, die allerdings ebenfalls Dispersionsfarben auf Basis von Naturharzen sind.

Dispersionsfarben beherrschen in unserer Zeit den Markt der Wandfarben, aber auch der Fassadenfarben. Der Begriff Dispersionsfarben beschreibt dabei eigentlich eine ganze Reihe unterschiedlicher Anstrichmittel.

Je nach der verwendeten Bindemitteltechnologie erreichen Dispersionsfarben einen immer höheren Standard. Insbesondere Bindemittel mit Acrylsäure-Anteilen (z.B. Acryl-Fassadenfarben) erreichen eine hohe Qualität, ebenso wir der Einsatz von Polyurethan oder Epoxidharz bei den Lacken.

Ein Nachteil der Dispersionsfarben ist die hohe Anfälligkeit vor Verschmutzungen. Einerseits beruht diese Bindemitteltechnologie auf organischen Rohstoffen, welche für Mikroorganismen einen hervorragenden Nährboden bieten, zum Anderen haben Dispersionsfarben ähnliche Eigenschaften wie Kunststoffe, das heißt, sie sind anfällig für statische Aufladungen, die Staubpartikel anziehen und sie haben eine relativ weiche Oberfläche. Inzwischen gibt es allerdings einige Methoden, diesem Nachteil entgegen zu wirken, indem die Hersteller spezielle Zuschlagstoffe zugeben.

Latexfarben

Latexfarben sind eine besondere Form der Dispersionsfarben. Latex ist eigentlich ein Naturprodukt, die sogenannte Latexmilch, aus der Naturkautschuk hergestellt wird. Latexmilch bilden Gummibäume, aber auch die sogenannten Wolfsmilchgewächse. Latexfarben haben mit dieser natürlichen Latexmilch leider nichts zu tun. Bei Latexfarben handelt es sich um Kunststoff-Dispersionsfarben mit einem sehr hohen Bindemittelanteil, so dass die Oberfläche geschlossen ist. Es gibt keine einheitlichen Kriterien, die eine Latexfarbe erfüllen muss, um die Bezeichnung Latexfarbe zu rechtfertigen. Allgemein geht man davon aus, dass eine Latexfarbe zumindest scheuerbeständig sein muss und eine gewisse Resistenz gegenüber Reinigungsmitteln haben muss. Latexfarben werden in verschiedenen Oberflächen hergestellt. Es gibt sie in tuchmatt, seidenmatt, seidenglänzend, bis hin zu hochglänzenden Oberflächen. Aufgrund des hohen Bindemittelanteils haben die Latexfarben meist eine wesentlich geringere Deckkraft, die durch hohen Anteil an hochwertigen Pigmenten wieder wett gemacht werden muss. Die Deckkraft nimmt mit dem höheren Glanzgrad ab. Bei den führenden Markenherstellern ist es inzwischen auch gelungen, Latexfarben zu entwickeln, die trotz des geschlossenen Anstrichfilms immer noch atmungsaktiv sind.

Acrylat-Dispersionsfarben

Diese Sonderform der Dispersionsfarben enthält Polyacryl als Bindemittel. Polyacryl zeichnet sich einerseits durch hohe Witterungsbeständigkeit, sehr gutes Haftungsvermögen und vor allem durch sehr hohe Transparenz aus. Acrylat-Dispersionsfarben finden sich häufig in hochwertigen Fassadenfarben oder in Lacken auf Wasserbasis.

Die Oberflächen der Dispersionsfarben

In der Regel trockenen Dispersionsfarben matt auf. Es gibt einige Latexfarben, die seidenglänzend oder sogar glänzend auftrocknen. Diese Farben sind jedoch Sonderfälle. Die Qualität der Farben wird in der sogenannten Nassabriebbeständigkeit festgehalten, wobei 1 für das höchste Ergebnis steht (scheuerbeständig) und 3 für die niedrigste Qualität (waschbeständig) steht. Oft wird jedoch der Anstrich keiner hohen Belastung ausgesetzt, zum Beispiel bei Deckenflächen.

Die Deckkraft der Wandfarbe

Es haben sich grundsätzlich zwei Pigmente für die Herstellung der Dispersions-Wandfarben  durchgesetzt, die oft kombiniert werden. Meist wird Kreide als weißes Pigment verwendet. Kreide hat eine normale Deckkraft, ist ein günstiger Rohstoff und füllt recht stark. Das heißt, der Anstrich bildet eine recht dicke Schicht nach dem Trocknen und füllt kleine Unebenheiten aus. Kreide ist nicht ganz weiß, sondern hat eine ganz leichte Tendenz zum Beige-Grau, was man der Farbe aber erst nach genauer Betrachtung ansieht. Wenn der Farbe Kreide zugeführt wurde, hellt der Anstrich nach der Trocknung noch wesentlich heller auf.
Als zweites Pigment wird gerade bei hochwertigen Farben Titandioxid zugefügt. Dieses Pigment ist weißer als Kreide, füllt nur sehr wenig, so dass gerade beim Anstrich von feinen Strukturtapeten die Struktur gut erhalten bleibet.

 

2 Gedanken zu „Was sind Dispersionsfarben?“

  • Benedict Mur

    Ich vesrtehe nicht ganz wie ich den Begriff Disperion sehen soll! Einmal wird es als einheint beschrieben, dann als Emulgator. Ist die Dispersion ein Emulgator? Oder ist es ein Bindemittel? oder eine Kunststoffart. Ich hoffe ich erhalte eine Antwort. ich bin beim verzweifeln!!! ich bilck nicht durch!!!

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    • bernd13

      Ich bitte um Entschuldigung für die Verwirrung. Dispersion ist das Oberbegriff für wasserverdünnbare Bindemittel, die sich eigentlich nicht mit Wasser mischen lassen. Damit dies gelingt, wird dem Bindemittel ein Emulgator zugefügt, der dieses dann ermöglicht. Meist sind es Öle oder Harze, die durch einen Emulgator mit Wasser vermischt werden können. Ich hoffe, das ist so besser verständlich?

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